Puls 200, Adrenalin pur und am Ende ein Dinner "pike best-ever"


Das Thermometer zeigte 25 Grad Celsius und es war etwas drückend. Ich nahm seufzend die Rute von der Wand und dachte: "Das ist perfektes Aal-Wetter". Verdammt, was nützt mir Aal Wetter, ich fische seit Jahren ausschließlich mit der Fliegenrute. In mich gekehrt packte ich die Angelsachen ins Auto und ahnte nicht, dass ein Aalangler mir zu dieser Geschichte verhelfen sollte.

Der Streamer landete punktgenau und fischte sofort, aber es tat sich nichts. Drei Tage zuvor hatte ich einen 77er Hecht auf die Schuppen gelegt, also brauchte ich keinen. Braucht man Hechte? Nach etlichen Würfen und vielen Stellungswechseln machte ich eine Pause. Mit einer Zigarette und etwas nachdenklich gestimmt nahm ich die Aalangler wahr, die ein Stück flussauf am anderen Ufer angelten. Das Fliegenfischerleben an der Aller ist nicht einfach, ich überprüfte noch einmal das Stahlvorfach und entschloss mich, noch ein, zwei Versuche zu unternehmen. Wieder setzte der Streamer an einer hechtverdächtigen Stelle auf. Nichts. Noch einen hinterher, der Streamer taucht wieder ein, Biss, na endlich. Der Fisch zieht langsam zur Seite und erst nach ein paar Sekunden geht der Tanz los. Etliche Hechte krümmten schon meine 8er Fliegenrute, 70er, 80er, fast-90er, aber jetzt hatte ich eine Dampflok gehakt. Mein Puls war auf 200, Adrenalin pur, Adrenalin?


Bei Wikipedia steht geschrieben:
Adrenalin (von lat. ad "zu" und ren "Niere"), auch Epinephrin (INN) (epi (gr.) "auf"; nephros (gr.): "Niere") genannt, ist ein im Nebennierenmark gebildetes und in Stresssituationen ins Blut ausgeschüttetes Hormon. Als Stresshormon vermittelt Adrenalin eine Steigerung der Herzfrequenz, einen Anstieg des Blutdrucks, eine Erweiterung der Bronchialen, eine schnelle Bereitstellung von Energiereserven durch Fettabbau sowie die Freisetzung und Biosynthese von Glucose.

Ich fasse kurz zusammen: Hechtdrill an der Fliegenrute gleich Adrenalin pur!

Die Rute bog sich bis in den Griff und zum ersten Mal musste ich im Hechtdrill mit beiden Händen arbeiten, die alte Hardy-Ratsche kreischte ein bedrohliches Lied in den Abendhimmel. Mit Blick auf meinen Watkescher brüllte ich so laut ich konnte in Richtung Aalangler: "Habt ihr einen langen Kescher da?" erstaunlicherweise hatten sie einen da, noch erstaunlicher war es, dass sie mein Gebrülle auf die Entfernung hörten und einer mit dem langen Kescher in meine Richtung lief. Der Fisch war mittlerweile so weit draußen; an Landung war nicht zu denken. Die ersten Worte des freundlichen Kescherträgers: "Du musst ihn von dem Baum fernhalten, da liegt ein Baum im Wasser!" Der Fisch machte, was er wollte, ich konnte ihn nicht halten. "Ja, ich versuche es" erwiderte ich mit blank liegenden Nerven. "Ich sehe ihn, man das ist `ne Klamotte" sagte er, und brachte damit meinen Puls nicht gerade nach unten. Nach einigen harten Fluchten konnte ich ihn in seinen Kescher bugsieren, er hatte das richtig gut gemacht. Schweißgebadet und völlig fertig sah ich meinen größten Fliegenhecht: 102 cm und über 15 Pfund. Den Fisch brachte ich noch am gleichen Abend in ein Celler Restaurant und übergab ihn dem Küchenchef, einem Spitzenkoch und guten Freund. Am darauf folgenden Abend wurde der Fisch vom Chefkoch auf mir noch nicht bekannte Weise zubereitet und exklusiv für meine Freundin und mich serviert. Dieses Dinner werden wir nicht so schnell vergessen.